Sport, Schlaf und wenig Fernsehen
Wolfgang Ahrens, beim Bremer Institut für Präventionsforschung und Sozialmedizin (Bips) der Uni Koordinator für die von der EU geförderte Idefics-Studie. Die kurz vor ihrem Abschluss stehende Studie mit 23 Partnern aus elf Ländern befasst sich mit dem Gewicht von Kindern. Herausgefunden haben die Forscher, dass Kinder, die viel schlafen, viel Sport treiben und wenig vor Fernseher/Computer hocken, schlanker sind als andere.
Idefics begann vor fünf Jahren. Es geht dabei um Ursachen fürs Dicksein, um den Einfluss von Ernährung, Lebensstil und um Prävention. Die Daten werden in acht Ländern an jeweils 2 000 Kindern im Alter von zwei bis neun Jahren erhoben. Sie wurden medizinisch untersucht, sie bekamen zeitweise einen Bewegungsmesser (eine Art Schrittmesser), die Eltern wurden zu Ernährung, Sport, Fernsehverhalten und psychosozialer Aufarbeitung befragt. Es gibt jeweils eine Gruppe ohne Intervention und eine, auf die aufklärend eingewirkt wird. Testbereiche in Deutschland sind Delmenhorst (mit Intervention) und Wilhelmshaven.
Untersucht wurden die Kids anfangs und nach zwei Jahren, im Februar 2012 endet die Studie. In einer Nachfolgeerhebung soll herausgefunden werden, ob die Intervention erfolgreich war. Dafür, so Ahrens, gibt es erste Anzeichen in Estland und Italien.
Die Partner treffen sich regelmäßig, jetzt tauschten sich am Bips 50 Experten aus Europa aus. Überraschend sind die bisherigen Ergebnisse eher nicht, aber sie bestätigen die Annahmen: Viel Sport, viel Schlaf, gesundes Essen und wenig Fernsehen machen schlanke Kinder. Die Forscher fanden abermals bestätigt, wie wichtig gemeinsame Mahlzeiten in der Familie sind.
Ahrens: „Die Stressbewältigung durch die Gespräche ist besser, die Ernährung ebenfalls.“ Und Kinder, die weniger als neun Stunden Schlaf bekommen, waren doppelt so anfällig für Übergewicht wie Kids mit elf Stunden Schlaf.
Stundenlanges Abhängen vor der „Glotze“ und dem PC sind, so Ahrens, ebenfalls mit dem Körpergewicht verknüpft. Grund: Ausreichend Bewegung fehlt, die Kinder verzehren vor dem Bildschirm auffällig viel Fettes und Süßes. Ob das beispielsweise durch die Werbung beeinflusst wird, ist noch nicht untersucht. Klar ist, Kinder, die in ihrer Freizeit aktiv sind, sitzen weniger vor dem TV und ernähren sich gesünder.
Ahrens: „Das Essen vor dem Bildschirm sollte minimiert werden, mit Schwerpunkt auf nahrhaften Snacks wie Obst und Gemüse.“ Als Durstlöscher empfiehlt er Wasser statt Limo. Kitas und Schulen sollten ebenfalls die gesunde Ernährung forcieren.
Ein wenig überraschend für die Forscher war, dass die gesunde mediterrane Ernährung in Nordeuropa ausgeprägter ist als im Süden. So sind die Kinder in Schweden laut Studie mit Abstand die schlanksten und die kleinen Italiener sind eher Moppel. Auch in Estland und Belgien ist der Nachwuchs weniger von Übergewicht betroffen, Zypern und Spanien hingegen folgen Italien auf dem Fuße. Deutschland liegt im Mittelfeld.
Quelle: kreiszeitung.de





